Projekt Wohn/Esszimmer

Vorwort

Im Erdgeschoss planten wir aus zwei Zimmern ein großes Wohn- und Esszimmer. Dazu müssten wir eine Wand bzw. das Gewerk bis auf das Holzgerüst abreißen. Allerdings wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob sich in dieser Wand Holzbalken befanden. Des weiteren war geplant ein Teil der Wand zur Küche abzureißen um eine offene Küche zu erhalten.


Einkaufsliste

– 20 Säcke Lehmputz (jeweils 25 kg)

– 14 Eimer Lehmrollputz Farbe weiß (jeweils 20 Liter)

– 25 qm² Laminat Typ Kastanie, Trittschalldämmung (Folie)

– Fußbodenrandleisten

– Holzlasur Innen Farblos (Balken)

– Holzlasur Innen Palisander (Tür/Türrahmen)

– Holzöl für Dielenböden, Schleifpapier verschiedener Stärken für Bodenschleifmaschine

– Elektrik: Kabel (Strom, Internet), Steckdosen, Unterputzdosen, Verteilerdosen, Lichtschalter

– Tapetenentferner

– Werkzeuge:

Abriss: Bohrhammer, Hammer, Meißel, Winkelschleifer, Bohrmaschine, Kneifzange, Spachtel, Zollstock

Holzbearbeitung: Winkelschleifer inkl. Fächerschleifscheiben Holz, Bohrmaschine, Schleifmaschinen mit Schleifbürsten, Pinsel, Heißluftpistole

Verputzen: Kellen, Reibebretter, Spachtel,Putzeimer, Rührbohrer, Pinsel, Farbrollen mit Verlängerung, Abstreicher, Strukturrollen

Parkettverlegung: Laminatschneider, Abstandshalter,  Gummihammer

Dielenboden: Bodenschleifmaschine (aus dem Baumarkt ausgeliehen)


Der Ursprung

Die beiden Zimmer waren sehr altbacken mit farbiger Tapete beklebt. Der Dielenboden im Wohnzimmer war über viele Jahrzehnte mit „Ochsenblut“ behandelt worden. Im Esszimmer bestand der Boden aus mit „Ochsenblut“ behandelten OSB-Platten. Die Wände und Decke war krumm und schief, wie es in den alten Fachwerkhäusern so üblich ist.

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Phase I: Der Abriss

Das Wohn- und Esszimmer war der Start unseres Umbaus. Mit Tapetenentferner lösten wir die Tapeten, was in diesen beiden Zimmern auch noch relativ leicht von den Händen ging.

Da wir nicht wußten, ob unser Plan aufgeht und das Fachwerk auch in den Zwischenwänden bestand, gingen wir initial sehr vorsichtig vor. Mittels Klopfgeräuschen versuchten wir herauszufinden, wo die Balken versteckt waren. Anschließend versuchten wir mit Hammer und Meißel die Balken freizulegen. Der Plan war einmal  das Gewerk in einem herauszuschlagen. Allerdings waren auch im Gewerk Holzlatten verankert, so das man sich Stück für Stück vorarbeiten musste. Mit Hammer und Meißel kam man da nicht so wirklich voran, so dass uns sehr schnell klar wurde, wir müssen eine neue Investition tätigen und einen Bohrhammer kaufen. Dazu mussten wir leider auch in den 30 km entfernten Baumarkt fahren, was uns wieder einen halben Tag Zeitverzug brachte. Allerdings kamen wir mit dem Bohrhammer dann ganz gut voran. Nach ca. 1 Woche waren sowohl die Zwischenwand zwischen Esszimmer/Küche sowie Ess-/Wohnzimmer passè.

Wir wollen auch die Balken an den Wänden freilegen. Im Bereich der Außenwände haben wir uns sehr schnell aufgrund der Dämmung gegen die Freilegung entschieden. Bei den restlichen Wänden haben wir wieder mit Klopfzeichen und vorsichtigen Vorbohrungen die Balken gesucht und gefunden. Leider sind uns beim Freilegen teilweise riesige Lehmplatten entgegen gekommen und wir konnten uns schon riesig aufs Verputzen freuen 😉 .

Zum Ende der Abrissphase sahen die beiden Zimmer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wir dachten uns, wenn das der Voreigentümer sehen würde, würde er wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen und es bereuen uns sein Häuschen verkauft zu haben.

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Phase II Verlegung Elektrik

Nach dem Abriss planten wir die Verlegung der Elektrik inklusive Fernsehkabel, Internetkabel sowie Audiokabel. Zum Glück ist die Elektrik das Gewerk vom Hausherrn, sodass wir dafür keine externe Firma engagieren mussten.

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Phase III Verputzen

Verputzen ist bei uns Frauenarbeit.

Wir haben uns entschlossen mit natürlichen Baustoffen zu arbeiten. In unserem Falle heißt das Lehmputz. Nach dem Abriß wollten wir sofort mit dem Verputzen beginnen, da uns ja die Zeit wegzulaufen schien.Da im Baumarkt unseres Vertrauens kein Lehmputz erhältlich war, fragten wir im Medium Internet nach. Nach 15 Minuten Recherche bemerkten wir unser Dilemma, an Lehmputz kommen wir so schnell nicht heran. Es gibt einige Firmen, die einen beliefern, dass dauert aber im Schnitt 14 Tage. Zu diesem Zeitpunkt mussten wir aber schon in das Haus einziehen. Sprich diese Zeit hatten wir auf keinen Fall. Für uns war es erschreckend, dass man im Einzugsgebiet von Berlin keinen Baumarkt oder Baustoffhandel fand, der Lehmputz vorrätig hatte. Alle mußten erst bestellen, was einen heftigen Zeitverzug für uns bedeuten würde. Zum Teil hatten die Baumärkte überhaupt keinen Lehmputz im Sortiment. Bei unserer verzweifelten Herumtelefoniererei fanden wir eine sehr nette und engagierte Mitarbeiterin in einer Baumarktkette, die sämtliche Baumärkte im Umkreis von 150km nach Lehmputz durchforstete. Und am Ende fand sie einen Baumarkt in Potsdam. Wir fuhren dann also 120 km (eine Strecke) um unserem Lehmputz (als Unterputz sowie als Rollputz) zu kaufen. Diese Aktion kostete uns einen ganzen Tag, die Zeit, die wir eigentlich gar nicht hatten. Am selben Tag bestellten wir bei einem Internetanbieter für Lehmputz eine Großlieferung für die weiteren Zimmer.

Am nächsten Tag konnte es endlich losgehen. Da wir ja die Balken freigelegt hatten, reichte es nicht einfach nur die Wände zu verputzen. Wir mussten überall schöne glatte Kanten herausputzen. Als Nichtprofi eine schöne Herausforderung. Wir sehr freute ich mich, wenn ich mal wieder eine glatte und ebene Wand verputzen durfte. Das Verputzen kostete uns so 5-6 Tage aufgrund der Raffinesse des Kantenverputzens.

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Phase IV Holzbearbeitung

Wir sehr hatten wir uns schon darauf gefreut endlich das Holz/Balken bearbeiten zu können. Erst kam der Grobschliff mittels Winkelschleifer inkl. Fächerschleifscheiben Holz. Diese Arbeit ging dem Mann des Hauses gut von der Hand. Ab und zu flogen zwar die Funken und die Balken zeigten verschmorte Areale, aber alles in allem klappte dieses Abschleifen wie geplant. Für den Feinschliff hatten wir uns extra zwei Handschleifmaschinen gekauft. Leider waren sie für unsere Balken viel zu breit. An den Wänden zerstörten sie eher die sorgfältig herausgearbeiteten Kanten. Auch bei den freistehenden Balken, waren wir mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden. Wir zogen erneut los in die Baumärkte der Nation und versuchten es mit Schleifbürsten für die Bohrmaschine. Und siehe da, das Ergebnis überzeugte uns. Allerdings war der Verschleiss sowohl für die Fächerschleifscheiben als auch für die  Schleifbürsten sehr hoch und in unserem Baumarkt gab es immer nur ein sehr begrenztes Angebot. So waren wir viel mehr auf den Strassen unterwegs um Nachschub zu organisieren,als uns lieb war. Denn die Zeit rannte immer noch. Die aufwendigste Prozedur war es allerdings die Türrahmen von ihrem alten Lack zu befreien. Trotz Heißluftpistole kosteten uns alleine die Türen des Erdgeschosses zwei Tage und damit meine ich nicht die Türen, sondern nur die Rahmen. Die Türen an sich wollten wir erst ganz am Ende, also nach Einzug sanieren.

Nachdem sämtliche Balken abgeschliffen waren, erfolgte eine ausgiebige Reinigung.

Anschließend wurde auf sämtliche Balken Wurmex aufgetragen. Nun hieß es noch einmal 24 Stunden warten bis wir weiter machen konnten.

Dann wurden die Balken zweimalig mit Holzlasur Innen Farblos (Bio) gestrichen. Die Türrahmen wollten wir ein wenig herausheben und entschieden uns für die Farbe Palisander. Wir waren sehr positiv überrascht wie die farblose Holzlasur die Farbe der Balken ändert. Jeder Balken hatte plötzlich eine eigene intensive Farbe. Von warmen hellen Tönen, über Rottöne bis zu saftigen Braun war alles dabei. Uns gefiel diese Eigenfarbe des Holzes sehr.

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Phase V Fußboden

Im Wohnzimmer war ein alter Dielenboden drin, leider konnte man nicht viel von ihm sehen, da er über und über mit rotem Ochsenblut gestrichen wurde. Wir brauchten für die Bearbeitung eine Schleifmaschine aus dem Baumarkt. Leider bietet unser Baumarkt diesen Verleih nicht an und wir mussten wieder 100 km eine Strecke fahren um uns diese Maschine auszuleihen. Das Ausleihen der Schleifmaschine ist an sich nicht so teuer. Allerdings darf man die Kosten des Schleifpapiers nicht unterschätzen. Wir entschieden uns vier verschiedene Körnungen mitzunehmen und brauchten für jedes Zimmer bestimmt 3-5 Papiere pro Körnung. Das Bodenabschleifen war wieder Männersache. Da der Boden krumm und schief sowie total uneben war, ist es keine Freude mit einer Bodenschleifmaschine den Fußboden zu bearbeiten. Das Ochsenblut wollte das Holz nicht freigeben. Die Ränder und auch zwischendrin, wenn Kanten im Fußboden waren, liessen sich nicht wirklich bearbeiten. Am Ende wurden die Ränder mit dem Winkelschleifer bearbeitet. Trotz der vielen Komplikationen während des bodenschleifens waren wir vom Ergebnis total begeistert. Uns erwartete ein schöner, warmer, leicht orangefarbener Dielenboden. Die teilweise doch sehr breiten Fugen wollten wir mit einem Fugenex vermischt mit der Sägespäne vom Bodenschleifen nach Bedienungsanleitung füllen. Aber irgendwie wurde die Masse nicht wie vorhergesagt nach 1-2 Stunden trocken, sondern blieb feucht und hatte eine unnatürliche Farbe, so dass wir uns entschieden breite Fugen zu behalten.

Zum Abschluss wurde der Boden zweimalig mit einem Holzöl gestrichen. Dieses Ergebnis hat uns wirklich begeistert und sämtlichen Ärger vergessen lassen.

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Im Esszimmer befand sich ein Fußboden bestehend aus mit Ochsenblut gestrichenen OSB – Platten. Wir grübelten lange welchen Belag wir im Esszimmer haben wollten: Dielen, Parkett oder doch Laminat? Wir konnten uns nicht einigen und entschlossen uns im Baumarkt umzuschauen.Relativ schnell fanden wir ein Nussholzlaminat, dass es uns total angetan hatte und so entschieden wir uns für Laminat. Auch das Verlegen vom Laminat ging nicht wie gedacht schnell von der Hand, da die Wände, wie schon mehrmalig erwähnt krumm und schief sind und man keinen rechten Winkeln in den Ecken findet. Aber auch dieses Ergebnis mit seinen kleinen Fehlern stellte uns sehr zufrieden. Die Abschlussleisten müssen wir irgendwann noch verlegen.

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Phase VI Rollputz

Bevor der Endschliff beginnen konnte, begann noch mal das große Reinemachen. Anschließend haben wir überall Folie ausgelegt und die Balken abgeklebt. Bei so vielen Balken dauert das Abkleben mal einen halben Tag. Anschließend haben wir die Decke und die Wände mit grobkörnigen weißen Lehmrollputz verputzt. Das hört sich so einfach an. Allerdings kam uns des Öfteren der Putz wieder von den Wänden, oder er wollte nicht weiß werden. Wir mussten immer wieder den Unterputz nachbessern. Alles in allem eine sehr nervenaufreibende Tätigkeit, v.a. da wir für den Rollputz nur ein bis maximal zwei Tage eingeplant hatten. Es flossen wirklich sehr viele Tränen. Der letzte Farbstich wurde am Freitagabend um 23.30 Uhr getätigt. Am Samstag um 6.00 Uhr startete der Umzug. Es war also eine Punktlandung.

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Das Ergebnis

Nach all den vielen Problemen und Rückschlägen und der wirklich viel zu kurz bemessenen Zeit, waren wir mit unserem Ergebnis sehr zufrieden. Man findet zwar überall Schönheitsflecken, aber das zeugt von unserer Eigenleistung. Wir sind halt keine Profis.

Allerdings, nachdem wir nun auch das Obergeschoss saniert haben und viel mehr Zeit und Erfahrung dafür hatten, merkt man den Unterschied doch.  Die Zimmer im Obergeschoss sind unser ganzer Stolz, während wir unten manchmal denken, hoffentlich sieht keiner diese oder jene Ecke, Kante, Unebenheit ….

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